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China-Sanktionen und der Iran-Öl-Komplex: Der Fall Hengli und die Rolle von Gold

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Im Frühjahr 2026 traf das US-Finanzministerium eine Entscheidung, die weit über einen einzelnen Konzern hinausreichte: Mit Hengli Petrochemical wurde erstmals ein chinesischer Schwergewichts-Player aus der Fortune Global 500 direkt sanktioniert, weil er iranisches Öl bezogen hatte. Was wie eine technische Verwaltungsmaßnahme klingt, ist in Wahrheit ein Lehrstück darüber, wie der Dollar als Waffe eingesetzt wird – und warum immer mehr Staaten nach Alternativen suchen, die sich nicht per Federstrich einfrieren lassen.

Öltanker quert bei Dämmerung eine enge Meeresstraße, symbolisch für den Iran-Öl-Komplex
Durch die Straße von Hormus laufen rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und LNG-Handels – ein Nadelöhr mit enormer geopolitischer Hebelwirkung.

Ein kurzer Rückblick: Wie der Dollar zur Sanktionswaffe wurde

Sanktionen sind kein neues Instrument. Schon im Altertum versuchten Stadtstaaten, Rivalen über Handelsblockaden in die Knie zu zwingen. Doch erst das 20. Jahrhundert verlieh dem Mittel seine heutige Schlagkraft. Mit dem Aufstieg des US-Dollars zur globalen Leitwährung nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Bretton-Woods-System entstand eine Finanzarchitektur, in der nahezu jede internationale Transaktion irgendwann durch ein amerikanisches Bankensystem läuft.

Spätestens seit den 1990er-Jahren nutzen die USA diese Stellung gezielt. Wer mit sanktionierten Akteuren Geschäfte macht, riskiert selbst den Ausschluss vom Dollar-System – das nennt man Sekundärsanktionen. Genau dieser Mechanismus traf 2026 die chinesischen Ölabnehmer. Der Iran steht seit Jahrzehnten im Zentrum solcher Maßnahmen, mal gelockert, mal verschärft, je nach politischer Großwetterlage. Der jüngste Eskalationszyklus rund um den Iran-Krieg hat das Instrument auf eine neue Stufe gehoben.

Info: Was sind Sekundärsanktionen?

Während Primärsanktionen eigenen Bürgern und Unternehmen den Handel mit einem Zielstaat verbieten, richten sich Sekundärsanktionen gegen Dritte – also etwa chinesische Firmen, die mit dem Iran handeln. Sie zwingen Unternehmen weltweit zur Wahl: Entweder Geschäfte mit dem sanktionierten Staat oder Zugang zum US-Finanzsystem. Beides zugleich ist nicht möglich. Rechtlich stützen sich die USA dabei auf Instrumente wie die Executive Order 13902 und die sogenannte SDN-Liste. SDN steht für „Specially Designated Nationals" – eine schwarze Liste namentlich benannter Personen, Unternehmen und Schiffe, mit denen US-Bürger keine Geschäfte machen dürfen und deren Vermögenswerte im US-Zugriff eingefroren werden. Geführt wird sie vom Office of Foreign Assets Control (OFAC), der Sanktionsbehörde des US-Finanzministeriums, die Wirtschafts- und Finanzsanktionen verhängt und durchsetzt.

Die Faktenlage: Was die US-Sanktionen gegen Hengli ausmachte

Am 24. April 2026 verhängte das OFAC im Rahmen der Kampagne „Operation Economic Fury" Sanktionen gegen Hengli Petrochemical und rund 40 weitere chinesische Unternehmen. Rechtsgrundlage waren die Executive Order 13902 sowie ein nationales Sicherheitsmemorandum. Eine Übergangslizenz („General License V") räumte bis zum 24. Mai 2026 Zeit ein, bestehende Verträge abzuwickeln.

Der Vorwurf war konkret: Hengli soll Rohöl direkt von der Sepehr Energy Jahan Nama Pars Company bezogen haben – dem Ölvertriebsarm der iranischen Revolutionsgarden (IRGC). Über diesen Kanal seien hunderte Millionen US-Dollar in das iranische Militärbudget geflossen. Damit war für Washington die rote Linie überschritten.

Wer genau betroffen war

  • Hengli Petrochemical (Dalian) Refinery Co., Ltd. – eine Raffinerie mit rund 400.000 Barrel Tageskapazität und weltgrößter Produzent von PTA (gereinigte Terephthalsäure, ein chemisches Vorprodukt zur Herstellung von Polyester und Kunststoffen).
  • Rund 40 weitere Unternehmen, darunter Shandong Jincheng, Hebei Xinhai, Shouguang Luqing sowie mehrere Öl-Terminals in den Häfen Qingdao und Rizhao.
  • Rund 40 Schiffe der sogenannten „Schattenflotte", die iranisches Öl unter verschleierten Identitäten transportierten.

Bemerkenswert ist die Dimension: Bis November 2025 hatte das OFAC bereits 366 chinesische und Hongkonger Firmen auf die SDN-Liste gesetzt. Seit Februar 2025 wurden über 1.000 iran-bezogene Personen, Schiffe und Flugzeuge mit Sanktionen belegt. Der Fall Hengli war also kein Einzelschuss, sondern Teil einer breit angelegten Kampagne.

Die wirtschaftlichen Folgen für Hengli

Die Auswirkungen ließen nicht lange auf sich warten. Die Verarbeitungsrate der Raffinerie sank innerhalb weniger Wochen von über 80 auf unter 70 Prozent. Hengli schloss seine Niederlassung in Singapur und entließ rund 100 Mitarbeiter. Das Unternehmen begann, Rohöl aus Westafrika zuzukaufen, um die wegfallenden iranischen Lieferungen zu kompensieren – und stellte parallel einen Antrag auf Streichung von der Sanktionsliste.

Eckdaten der Sanktionen gegen Hengli & Co. (Stand Juni 2026)
KennzahlWert
Datum der Sanktion24. April 2026
Betroffene UnternehmenHengli + ca. 40 weitere
Betroffene Schiffeca. 40 (Schattenflotte)
Tageskapazität Hengli-Raffinerieca. 400.000 Barrel
Chinesische Firmen auf SDN-Liste (bis Nov. 2025)366
Verarbeitungsrate nach Sanktionunter 70 %

Chinas Reaktion: Das doppelschneidige Schwert

Peking reagierte zweigleisig. Offiziell verurteilte das chinesische Außenministerium die US-Sanktionen als unzulässige Anwendung extraterritorialen Rechts und forderte multilaterale Lösungen. Im Hintergrund aktivierte China seine eigenen Blocking Rules: Auf Grundlage des chinesischen Anti-Sanktionsgesetzes dürfen chinesische Unternehmen US-Sanktionen gegen Hengli und vier weitere Raffinerien offiziell weder anerkennen noch befolgen.

In der Praxis aber agierten gerade die chinesischen Banken vorsichtig. Sie vergaben keine neuen Kredite an sanktionierte Raffinerien, riefen bestehende aber auch nicht zurück. Diese Gratwanderung zeigt das Dilemma: Wer global Geschäfte macht, kann es sich nicht leisten, vom Dollar-System ausgeschlossen zu werden – selbst dann nicht, wenn die eigene Regierung etwas anderes verlangt. Auch Hengli selbst lavierte: Das Unternehmen bestreitet den Kauf iranischen Öls, kündigte einen rechtlichen Weg zur Streichung von der Liste an und erklärte, künftig ausschließlich nicht sanktioniertes Öl beziehen zu wollen – weiterhin abgewickelt in der chinesischen Währung Renminbi.

Wie heikel das in der Praxis ist, zeigt die Beschaffung: Verkäufer von nicht sanktioniertem Rohöl wollen sich keinem Risiko eigener Sekundärsanktionen aussetzen, weshalb Lieferungen an Hengli laut Handelsquellen über eine ganze Kette von Zwischenhändlern abgewickelt werden. Ein verwandtes Beispiel ist die Raffinerie Shandong Yulong, die nach Sanktionen Großbritanniens und der EU wegen russischer Ölkäufe noch stärker von russischem Rohöl abhängig wurde, weil Mainstream-Lieferanten absprangen.

Chinesische Analysten sprachen offen von einem „doppelschneidigen Schwert". Denn als nahezu einziger großer Abnehmer von stark verbilligtem iranischem Öl genoss China eine privilegierte Sonderstellung. Im Mai 2026 fielen Chinas Rohölimporte auf 7,8 Millionen Barrel pro Tag – ein Rückgang von rund 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die iranischen Importe sanken auf 1,19 Millionen Barrel täglich, den niedrigsten Stand seit Monaten. Gleichzeitig lagerten rund 40 Millionen Barrel iranisches Öl als „Floating Storage" in chinesischen Küstengewässern.

Schachbrett mit goldenen und silbernen Figuren als Symbol für die geopolitische Konfrontation der Großmächte
Sanktionen sind längst ein zentrales Werkzeug im strategischen Wettstreit der Großmächte – mit Folgen weit über den Energiesektor hinaus.

Der Wendepunkt: Das US-Iran-Friedensabkommen

Mitte Juni 2026 änderte sich die Lage dramatisch. Am 14. und 15. Juni wurde ein US-Iran-Friedensabkommen angekündigt, dessen formelle Unterzeichnung für den 19. Juni 2026 in der Schweiz vorgesehen war. Vermittelt hatten unter anderem Pakistan und Katar. Die Kernpunkte umfassten eine sofortige Waffenruhe, die Wiedereröffnung der Straße von Hormus, die Aufhebung der US-Blockade iranischer Häfen sowie eine 60-tägige Verhandlungsphase über das Nuklearprogramm.

Die Märkte reagierten unmittelbar: Der Brent-Ölpreis fiel am 15. Juni um rund vier Prozent auf 83 bis 84 US-Dollar je Barrel, nachdem er während der Blockade zeitweise über 120 US-Dollar gelegen hatte. Vorgesehen war zudem die schrittweise Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte im Umfang von 12 bis 25 Milliarden US-Dollar – ausdrücklich abhängig von Irans Einhaltung der Vereinbarungen.

Was das Abkommen für die Sanktionen bedeutet

Entscheidend ist: Eine offizielle Streichung Henglis oder der rund 40 Unternehmen von der Sanktionsliste fand zunächst nicht statt. Das Abkommen schuf lediglich den Rahmen für mögliche, schrittweise Lockerungen. Erst wenn der Iran in der 60-tägigen Verhandlungsphase nukleare Zugeständnisse macht, sollen die Sanktionen gegen die chinesischen Ölunternehmen gelockert werden. Bis dahin bleiben sie in Kraft.

Für China hat das eine paradoxe Konsequenz. Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus und sinkende Ölpreise sind kurzfristig willkommen. Langfristig aber verliert das Land seine Sonderrolle: Kehren westliche und asiatische Konkurrenten auf den iranischen Markt zurück, schmilzt der Discount-Vorteil dahin. Das ist die eigentliche Pointe des „doppelschneidigen Schwerts".

  • Kurzfristig positiv: offene Schifffahrtsrouten, niedrigere Energiekosten, Auffüllen strategischer Reserven.
  • Langfristig problematisch: Verlust der privilegierten Stellung als nahezu einziger Großabnehmer von Rabatt-Öl.
  • Strukturell offen: Schwächere Raffinerien („Teapots") stehen vor einer Konsolidierungswelle.

Was das für die Zukunft bedeutet: De-Dollarisierung als Megatrend

Der Fall Hengli ist mehr als eine Episode im Iran-Konflikt. Er führt vor Augen, wie verwundbar Staaten und Konzerne sind, die im Dollar-System operieren. Genau diese Erfahrung beschleunigt einen Trend, der unter dem Begriff De-Dollarisierung zusammengefasst wird: die Suche nach Zahlungswegen und Reserven, die sich nicht per Sanktion abschalten lassen.

Die Zahlen sind deutlich. Bereits rund 30 Prozent des chinesischen Außenhandels werden in Yuan abgewickelt. Das chinesische Abwicklungssystem CIPS verzeichnete im Frühjahr 2026 tägliche Transaktionen von etwa 920 Milliarden Yuan (rund 127 Milliarden US-Dollar). Während der Hormus-Blockade verlangte der Iran von durchfahrenden Schiffen Gebühren in Yuan oder Stablecoins – teils bis zu rund 2 Millionen US-Dollar je Schiff, zahlbar in chinesischer Währung. Das war ein Präzedenzfall, der bleiben dürfte, auch wenn die Spannung abklingt.

Doch Yuan, Rubel oder digitale Token haben einen entscheidenden Haken: Auch sie sind staatlich kontrolliert und lassen sich politisch instrumentalisieren. Eine echte De-Dollarisierung verschiebt damit zunächst nur die Abhängigkeit von einem Währungsraum in den nächsten. Genau an diesem Punkt rückt eine ältere Frage wieder in den Vordergrund: Gibt es ein Wertaufbewahrungsmittel, das gar keiner staatlichen Kontrolle unterliegt? Bevor wir darauf eingehen, lohnt ein Blick auf das nächste Spannungsfeld, das diese Frage noch dringlicher machen könnte.

Goldbarren im dramatischen Seitenlicht, im Hintergrund angedeutete Weltkarte als Symbol für globalen Handel
Gold kennt keine SDN-Liste: Physisches Edelmetall lässt sich nicht per Federstrich aus dem Zahlungsverkehr ausschließen.

Der nächste Brandherd: Was ein Taiwan-Konflikt für China bedeuten würde

Der Fall Hengli ist aus Pekinger Sicht womöglich nur ein Vorgeschmack. Denn das eigentliche Eskalationsszenario, das westliche Strategen wie chinesische Planer gleichermaßen beschäftigt, heißt Taiwan. Sollte es um die Insel zu einer ernsten militärischen Zuspitzung kommen, gilt ein westliches Sanktionspaket gegen China als wahrscheinlich – in einer Dimension, die alles bisher Dagewesene übertreffen würde.

Anders als beim Iran ginge es dann nicht um einzelne Raffinerien, sondern potenziell um die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Im Raum stehen Szenarien wie das Einfrieren chinesischer Devisenreserven, der Ausschluss von Banken aus dem internationalen Zahlungssystem oder Handelsbeschränkungen für Schlüsseltechnologien. Genau deshalb beobachtet Peking sehr genau, wie der Westen 2022 mit Russland verfuhr – und welche Werkzeuge sich als wirksam erwiesen.

  • Eingefrorene Reserven: Russland verlor mit den Sanktionen ab 2022 den Zugriff auf einen großen Teil seiner im Ausland gehaltenen Währungsreserven – ein Schock, der in Peking aufmerksam registriert wurde.
  • Zahlungsverkehr: Der Ausschluss einzelner Banken aus internationalen Abwicklungssystemen zeigte, wie schnell Handelsströme ins Stocken geraten können.
  • Lehre für China: Wer im Ernstfall handlungsfähig bleiben will, braucht Reserven, die außerhalb fremder Buchungssysteme liegen.

Vor diesem Hintergrund ist der jahrelange, kontinuierliche Goldkauf der chinesischen Zentralbank kein Zufall, sondern strategische Vorsorge. Wer einem möglichen Sanktionsschock vorbeugen will, braucht einen Vermögensbaustein, der sich nicht aus der Ferne abschalten lässt.

Warum gerade Gold Sanktionen aushebeln kann

Gold hat eine Eigenschaft, die kein digitales Konto und keine Fremdwährung bietet: Es ist niemandes Verbindlichkeit. Eine Goldbarre in einem Tresor in Schanghai, Teheran oder Frankfurt behält ihren Wert unabhängig davon, ob ein US-Beamter eine Liste unterschreibt. Genau das macht das Metall in einer Welt sich verschärfender Finanzkonflikte so attraktiv – nicht nur für Privatanleger, sondern für ganze Staaten.

Der entscheidende Punkt: Eine Dollar-Überweisung läuft fast immer über eine US-Korrespondenzbank und ist damit angreifbar. Gold dagegen wechselt physisch den Besitzer, ohne dass eine zentrale Stelle die Transaktion freigeben oder blockieren müsste. Es lässt sich verladen, lagern, gegen Waren tauschen oder vor Ort einschmelzen – außerhalb der Reichweite von SWIFT, OFAC und SDN-Liste. Für einen sanktionierten Staat ist das der praktische Unterschied zwischen Handlungsfähigkeit und Lähmung.

Hinzu kommt die Anonymität der Substanz selbst: Eine eingeschmolzene und neu gegossene Goldbarre trägt keine Spur ihrer Herkunft mehr. Anders als bei einer digitalen Buchung, die jederzeit nachvollziehbar und einfrierbar ist, lässt sich der Wert so über Grenzen bewegen, ohne dass er einem bestimmten Konto zugeordnet werden kann.

Warum Russland auf Gold setzt

Das Lehrbuchbeispiel der vergangenen Jahre ist Russland. Mit den Sanktionen ab 2022 verlor Moskau den Zugriff auf einen erheblichen Teil seiner im westlichen Ausland gehaltenen Devisenreserven – Guthaben, die praktisch über Nacht eingefroren wurden. Diese Erfahrung erklärt, warum Gold für Russland zur strategischen Versicherung wurde:

  • Nicht einfrierbar im Inland: Gold, das physisch in der eigenen Zentralbank lagert, kann von keiner fremden Regierung blockiert werden – im Gegensatz zu Dollar- oder Euro-Guthaben auf Auslandskonten.
  • Eigene Förderung: Russland gehört zu den größten Goldproduzenten der Welt und kann seine Reserven aus heimischer Produktion aufstocken, ohne auf den Westen angewiesen zu sein.
  • International tauschbar: Gegenüber Partnern wie China oder Indien lässt sich Gold als Wertbasis für Handel nutzen, auch wenn der direkte Dollar-Weg versperrt ist.

So wurde Gold für Moskau zum Puffer gegen eingefrorene Konten – und genau dieses Muster beobachten heute andere Staaten, die ein ähnliches Risiko fürchten. Auch Hengli zeigt im Kleinen dieselbe Logik des Ausweichens: Das Unternehmen sucht nach Wegen, weiter handeln zu können, und wickelt Käufe Berichten zufolge bevorzugt über die eigene Währung Renminbi und eine Kette von Zwischenhändlern ab, statt sich dem Dollar-System auszuliefern.

Weitere Beispiele: Wie sanktionierte Staaten auf Gold setzten

Russland ist kein Einzelfall. Mehrere Staaten – häufig mit engen Beziehungen zu China – nutzten Gold zur Umgehung oder Abfederung von Sanktionen:

  • Iran: Bereits in früheren Sanktionsphasen wickelte Teheran Öl-Geschäfte teilweise über Gold ab, etwa im Tausch mit der Türkei. Edelmetall ersetzte dort den blockierten Dollar-Zahlungsweg.
  • Venezuela: Das sanktionierte Land verkaufte in der Vergangenheit physisches Gold aus den Staatsreserven, um an Devisen zu kommen, als der Zugang zu internationalen Finanzmärkten versperrt war.
  • China selbst: Die chinesische Zentralbank hat ihre Goldreserven über Jahre kontinuierlich aufgestockt – ein stiller, aber unmissverständlicher Hinweis darauf, wie Peking die Verlässlichkeit dollarbasierter Reserven einschätzt, gerade mit Blick auf einen möglichen Taiwan-Konflikt.

Das Muster ist immer dasselbe: Sobald der Zugang zum Dollar-System wackelt, gewinnt physisches Edelmetall an Bedeutung. Es ist global anerkannt, hat keine Gegenpartei und lässt sich nicht aus der Ferne deaktivieren.

Die Vorteile von Gold und Silber im Klartext

Was im Großen für Staaten gilt, lässt sich im Kleinen auf jedes Privatvermögen übertragen. Die Eigenschaften, die Gold für sanktionierte Nationen interessant machen, sind exakt jene, die es seit Generationen als Krisenanker auszeichnen.

Keine Gegenpartei

Physisches Gold ist niemandes Schuldverhältnis. Es kann nicht ausfallen, nicht eingefroren und nicht per Verwaltungsakt entwertet werden – anders als ein Bankguthaben oder eine Anleihe.

Weltweit anerkannt

Eine Unze Gold ist in jedem Land der Erde handelbar. Diese universelle Akzeptanz macht Edelmetall unabhängig von einzelnen Währungsräumen und politischen Blöcken.

Schutz vor Geldentwertung

Über lange Zeiträume hat Gold seine Kaufkraft bewahrt, während Papierwährungen durch Inflation an Wert verloren. In Phasen monetärer Unsicherheit zeigt sich dieser Effekt besonders deutlich.

Physisch greifbar

Wer Edelmetall im eigenen Besitz hält, ist nicht von der Funktionsfähigkeit digitaler Systeme oder der Solvenz einer Bank abhängig. Greifbarer Sachwert statt elektronischer Buchung.

Silber ergänzt dieses Bild als „kleiner Bruder" des Goldes. Es ist günstiger pro Einheit, dadurch leichter in kleinen Schritten handelbar, und besitzt zusätzlich eine starke industrielle Nachfragekomponente. Wer breit aufgestellt sein möchte, kombiniert beide Metalle. Einen ersten Überblick verschaffen die Kategorien Gold und Silber sowie konkret Goldmünzen, Silbermünzen und Goldbarren.

Aktuelle Edelmetallpreise im Blick

Der Goldpreis reagiert sensibel auf geopolitische Spannungen. Die folgende Kursentwicklung zeigt, wie sich der Goldpreis im längeren Verlauf bewegt hat.

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Wer den Zusammenhang zwischen geopolitischen Krisen, Inflation und Edelmetallpreisen vertiefen möchte, findet in der folgenden Datenvisualisierung eine längerfristige Gegenüberstellung von Gold, Inflation und Ölpreis:

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Häufige Fragen zu China-Sanktionen, Iran-Öl und Gold

Warum wurde Hengli Petrochemical von den USA sanktioniert?

Das US-Finanzministerium warf Hengli vor, Rohöl direkt vom Ölvertriebsarm der iranischen Revolutionsgarden bezogen zu haben. Dadurch seien hunderte Millionen US-Dollar in das iranische Militärbudget geflossen. Die Sanktionen wurden am 24. April 2026 im Rahmen der „Operation Economic Fury" verhängt.

Was sind Sekundärsanktionen?

Sekundärsanktionen richten sich nicht gegen den Zielstaat selbst, sondern gegen Dritte, die mit ihm Geschäfte machen – etwa chinesische Firmen, die iranisches Öl kaufen. Sie zwingen Unternehmen zur Wahl zwischen dem Handel mit dem sanktionierten Staat und dem Zugang zum US-Dollar-System.

Hat das US-Iran-Friedensabkommen die Sanktionen aufgehoben?

Nein, zunächst nicht. Das Abkommen von Mitte Juni 2026 schuf lediglich den Rahmen für mögliche, schrittweise Lockerungen. Eine offizielle Streichung Henglis von der Sanktionsliste fand nicht statt. Über tatsächliche Lockerungen entscheidet eine anschließende 60-tägige Verhandlungsphase zum Nuklearprogramm.

Warum nutzen sanktionierte Staaten Gold?

Gold ist niemandes Verbindlichkeit und lässt sich nicht aus der Ferne einfrieren oder per Verwaltungsakt entwerten. Staaten wie Iran, Russland oder Venezuela griffen in Sanktionsphasen auf physisches Gold zurück, um Devisengeschäfte abzuwickeln oder Reserven zu sichern. Auch Chinas Zentralbank baut ihre Goldbestände seit Jahren aus.

Was bedeutet De-Dollarisierung?

De-Dollarisierung beschreibt den Trend, internationale Geschäfte und Währungsreserven weg vom US-Dollar hin zu Alternativen zu verlagern – etwa zum chinesischen Yuan oder zu Edelmetallen. Treiber ist die Sorge, durch Sanktionen vom Dollar-System ausgeschlossen zu werden.

Eignen sich Gold und Silber als Schutz in geopolitischen Krisen?

Edelmetalle gelten historisch als Krisenanker, weil sie keine Gegenpartei haben, weltweit anerkannt sind und ihre Kaufkraft über lange Zeiträume bewahrt haben. Sie sind kein Renditeversprechen, können aber als physischer Sachwert ein Vermögen breiter aufstellen. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.

Welche Sanktionen könnten China bei einem Taiwan-Konflikt treffen?

Bei einer ernsten militärischen Eskalation um Taiwan gilt ein westliches Sanktionspaket als wahrscheinlich – in einer weit größeren Dimension als im Fall Iran. Diskutiert werden Szenarien wie das Einfrieren chinesischer Devisenreserven, der Ausschluss von Banken aus internationalen Zahlungssystemen und Beschränkungen für Schlüsseltechnologien. Genau dieses Risiko gilt als ein Grund, warum Chinas Zentralbank seit Jahren Gold aufbaut: Es ist die einzige Reserve, die sich nicht aus der Ferne einfrieren lässt.


Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die genannten Ereignisse und Zahlen beziehen sich auf den Stand Mitte Juni 2026 und können sich seither verändert haben. Eine Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.

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