Weltspartag 2026: Was aus Ersparnissen seit dem ersten Weltspartag wurde – Sparbuch gegen Goldmünze
Am Freitag, dem 30. Oktober 2026, tragen Kinder wieder ihre Sparschweine zur Bank, so wie es die Sparkassen seit dem ersten Weltspartag 1924 vorsehen. Der Weltspartag 2026 ist ein guter Anlass für eine ehrliche Rechnung: Was ist aus einem Sparbuch geworden, das ein Sparer im Gründungsjahr mit 20 Reichsmark eröffnet hat? Und was kauft ein 20-Mark-Goldstück aus derselben Zeit heute noch? Die Antwort fällt deutlich aus und erzählt viel über Inflation, Währungsschnitte und darüber, wer am Ende die Rechnung bezahlt.
Weltspartag: ein Feiertag, geboren aus der Inflation
Die Idee zum Weltspartag entstand in einer Zeit, in der Sparen in Deutschland gründlich in Verruf geraten war. Vom 26. bis 31. Oktober 1924 kamen in Mailand auf Einladung der dortigen Sparkasse Delegierte zum ersten Internationalen Sparkassenkongress zusammen. Laut Bundeszentrale für politische Bildung waren Vertreter aus 29 Ländern beteiligt, darunter auch Deutschland. Den Schlusstag, den 31. Oktober, erklärte der italienische Professor Filippo Ravizza zum „World Thrift Day“, dem Weltspartag.
Die Resolution des Kongresses stellte den Tag unter ein strenges Leitbild: Er sei „kein Tag der Ruhe“, sondern ein Tag, an dem Arbeit und Lebensführung „vom Ideal der Sparsamkeit inspiriert“ sein sollten. Dass dieser Appell gerade 1924 kam, ist kein Zufall. Wenige Monate zuvor hatte die Hyperinflation in Deutschland die Ersparnisse von Millionen Menschen ausgelöscht. Als die Rentenmark im November 1923 eingeführt wurde, entsprach eine Billion Papiermark einer einzigen Rentenmark. Wer vor dem Ersten Weltkrieg ein ordentliches Sparguthaben aufgebaut hatte, besaß danach praktisch nichts mehr.
Der WDR beschreibt in seinem Rückblick, wie schwer der neue Gedenktag es in Deutschland zunächst hatte: Bei den krisengeschüttelten Deutschen standen andere Ideale höher im Kurs. Später machten die Nationalsozialisten aus dem Weltspartag den „Deutschen Spartag“. Die Parole „Eisern sparen“ diente laut WDR dazu, überschüssige Kaufkraft zugunsten der Rüstung abzuschöpfen. Das Geld der Sparer floss über die Banken in die Staatsfinanzierung.
Warum der Weltspartag in Deutschland am 30. Oktober stattfindet
International gilt weiterhin der 31. Oktober. In Deutschland begehen Banken und Sparkassen den Weltspartag in der Regel einen Werktag früher, weil der 31. Oktober als Reformationstag in mehreren Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag ist. 2026 fällt der 31. Oktober zudem auf einen Samstag. Der Weltspartag 2026 ist deshalb am Freitag, 30. Oktober. Viele Institute nutzen die ganze letzte Oktoberwoche als „Weltsparwoche“ mit Aktionen für Kinder, kleinen Geschenken und Beratungsterminen.
Das Gedankenexperiment: zwei Sparer, 20 Reichsmark
Um die vergangenen 100 Jahre greifbar zu machen, hilft ein einfaches Gedankenexperiment. Stellen Sie sich zwei Geschwister vor, die zum ersten Weltspartag im Herbst 1924 jeweils 20 Reichsmark zurücklegen. Die eine Schwester bringt das Geld zur Sparkasse und eröffnet ein Sparbuch. Der Bruder legt stattdessen ein 20-Mark-Goldstück aus der Kaiserzeit in die Schublade, das er von seinem Großvater geerbt hat.
Beide Anlagen waren 1924 gleich viel wert. Mit dem Münzgesetz von 1924 wurde die neue Reichsmark an dieselbe Goldparität gebunden wie die alte Mark des Kaiserreichs: Eine Mark entsprach 1/2790 Kilogramm Feingold. Ein 20-Mark-Goldstück enthält deshalb rund 7,17 Gramm Feingold. Papier und Metall standen sich 1924 also eins zu eins gegenüber.
Für den Vergleich gelten folgende Annahmen:
- Ausgangsbetrag: 20 Reichsmark im Jahr 1924, auf dem Sparbuch oder als Goldmünze.
- Kaufkraft-Maßstab: die Tabelle „Kaufkraftäquivalente historischer Beträge in deutschen Währungen“ der Deutschen Bundesbank (Stand Januar 2026), die alle Werte in Euro-Kaufkraft des Jahres 2025 ausdrückt.
- Goldpreis: 118,42 Euro je Gramm, Stand 20. Oktober 2026 (Quelle: goldpreis.de).
- Keine Steuern und Gebühren, um die Rechnung übersichtlich zu halten.
Ein wichtiger Hinweis vorab: Die Bundesbank betont selbst, dass Kaufkraftvergleiche über so lange Zeiträume mit großen Unsicherheiten behaftet sind, weil sich der Warenkorb und die Lebensgewohnheiten grundlegend verändert haben. Die Zahlen zeigen deshalb Größenordnungen, keine Centbeträge. Für die Frage, welche Form des Sparens die Kaufkraft erhalten hat, reichen Größenordnungen allerdings völlig aus.
Nach der Bundesbank-Tabelle hatte eine Reichsmark des Jahres 1924 die Kaufkraft von 5,10 Euro im Jahr 2025. Die 20 Reichsmark entsprachen damit Waren und Dienstleistungen im heutigen Wert von rund 102 Euro. Das ist der Maßstab, an dem sich beide Geschwister messen lassen müssen.
Der Weg des Sparbuchs: drei Brüche in 100 Jahren
Die Schwester mit dem Sparbuch hat nichts falsch gemacht. Sie ist dem Rat der Sparkassen, der Politik und ihrer Eltern gefolgt. Und doch erlebt ihr Guthaben in den folgenden Jahrzehnten drei Einschnitte, die jeder für sich einen großen Teil der Kaufkraft kosten.
Bruch Nummer eins: der Währungsschnitt von 1948
Die Zeit des Nationalsozialismus finanzierte Aufrüstung und Krieg über die Notenpresse und die Ersparnisse der Bürger. Bezugsscheine und amtlich festgesetzte Preise verdeckten die Inflation, wie die Bundesbank in ihrer Darstellung zur Währungsreform schreibt. Nach dem Krieg war die Reichsmark kaum noch etwas wert, gehandelt wurde auf dem Schwarzmarkt mit Zigaretten.
Am 20. Juni 1948 trat in den Westzonen die Währungsreform in Kraft. Löhne, Mieten und Renten wurden im Verhältnis 1:1 umgestellt, Bankguthaben dagegen nicht. Nach dem Umstellungsgesetz wurden private Guthaben zunächst 10:1 umgerechnet, das Festkontengesetz vom Oktober 1948 legte schließlich ein Verhältnis von 100 zu 6,5 fest. Für 100 Reichsmark auf dem Sparbuch gab es 6,50 D-Mark. Der Rest wurde auf Anordnung der Militärregierung ersatzlos gestrichen.
Die Bundesbank formuliert es bemerkenswert offen: „Schockierte Sparer fühlten sich enteignet.“ Und weiter: Für eine deutsche Regierung wären diese „einschneidenden aber notwendigen Maßnahmen undurchführbar gewesen, sie wären am Widerstand der deutschen Bevölkerung gescheitert“. Den ersten und härtesten Teil der Kriegslasten trugen damit die Sparkonten. Sachwerte wurden erst mit dem Lastenausgleichsgesetz von 1952 herangezogen. Die Vermögensabgabe betrug zwar 50 Prozent des Vermögens vom 21. Juni 1948, war aber in vierteljährlichen Raten bis 1979 zu entrichten. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages gibt eine Einschätzung aus der Fachliteratur wieder, nach der sie wegen der 30-jährigen Laufzeit und der Inflation der D-Mark insgesamt eine geringe Belastung gewesen sei.
Für unsere Sparerin heißt das: Aus 20 Reichsmark werden 1,30 D-Mark. Nach der Bundesbank-Tabelle hatte eine D-Mark aus dem zweiten Halbjahr 1948 eine Kaufkraft von 3,13 Euro. Ihr Guthaben entspricht damit noch rund 4 Euro heutiger Kaufkraft. Von ursprünglich 102 Euro sind rund 96 Prozent verschwunden.
Zum Vergleich: Wie wäre es mit Zinsen gelaufen?
Nehmen wir großzügig an, das Sparbuch hätte von 1924 bis 1948 jedes Jahr vier Prozent Zinsen gebracht. Das ist eine reine Rechenannahme, kein historischer Durchschnittswert. Aus 20 Reichsmark wären rund 51 Reichsmark geworden. Nach dem Schnitt von 100 zu 6,5 blieben 3,33 D-Mark, also eine Kaufkraft von gut 10 Euro. Selbst mit Zinseszins hätte die Sparerin rund 90 Prozent ihrer ursprünglichen Kaufkraft verloren.
Der WDR zitiert eine Redensart aus jener Zeit, die die Stimmung treffend wiedergibt: „Iss und trink, solange es dir schmeckt, schon zweimal ist das Geld verreckt.“ Bundesfinanzminister Fritz Schäffer versuchte 1951 im Bundestag, das Vertrauen zurückzugewinnen. Laut WDR sagte er, seine Frau vertraue auf die D-Mark und spare eifrig: Wenn der Sparer schon dem Finanzminister nicht glaube, dann doch wenigstens der Frau des Finanzministers.
Bruch Nummer zwei: die schleichende Entwertung von D-Mark und Euro
Die D-Mark gilt bis heute als Inbegriff einer stabilen Währung. Im internationalen Vergleich war sie das auch. Doch auch sie verlor stetig an Wert, nur eben langsam statt auf einen Schlag. Laut Bundesbank-Tabelle entsprach eine D-Mark aus dem Jahr 1948 einer Kaufkraft von 3,13 Euro, eine D-Mark aus dem Jahr 2001 nur noch 0,81 Euro. Die „harte“ D-Mark hat in ihrer Lebenszeit damit rund drei Viertel ihrer Kaufkraft eingebüßt.
Mit der Bargeldeinführung des Euro 2002 wurden die 1,30 D-Mark zum festen Kurs von 1,95583 in 0,66 Euro umgerechnet. Und auch der Euro setzt den Trend fort: Ein Euro aus dem Jahr 2002 hatte die Kaufkraft von 1,56 Euro des Jahres 2025. Der Euro hat seit seiner Einführung also gut ein Drittel seiner Kaufkraft verloren, obwohl die Europäische Zentralbank offiziell Preisstabilität als vorrangiges Ziel verfolgt.
Bruch Nummer drei: die Nullzinsphase
Über Jahrzehnte konnten Sparer wenigstens auf Zinsen hoffen, die einen Teil der Teuerung ausgleichen. Mit der Nullzinspolitik der EZB war auch das vorbei. Laut Zinsstatistik der Bundesbank lag der durchschnittliche Effektivzins für Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist im Sommer 2022 bei 0,07 bis 0,08 Prozent. Genau in dieser Zeit schnellte die Inflation nach oben: Laut Bundesbank-Tabelle verlor ein Euro von 2021 bis 2023 rund zwölf Prozent seiner Kaufkraft.
Unsere Sparerin steht heute nominal bei 66 Cent, wenn man die Zinsen außer Acht lässt. Selbst mit Zinsen hätte der Bruch von 1948 den Großteil ihres Vermögens unwiderruflich vernichtet. Die folgende Übersicht fasst den Weg des Sparbuchs zusammen:
| Jahr | Ereignis | Nominaler Kontostand | Kaufkraft in Euro (Preise 2025) |
|---|---|---|---|
| 1924 | Erster Weltspartag, Einzahlung | 20,00 RM | ca. 102 Euro |
| 1948 | Währungsreform, Umstellung 100:6,5 | 1,30 DM | ca. 4,07 Euro |
| 2001 | Letztes volles D-Mark-Jahr | 1,30 DM | ca. 1,05 Euro |
| 2002 | Euro-Bargeld, Kurs 1,95583 | 0,66 Euro | ca. 1,04 Euro |
| 2025 | Bezugsjahr der Bundesbank | 0,66 Euro | 0,66 Euro |
Quellen: Deutsche Bundesbank, Kaufkraftäquivalente historischer Beträge in deutschen Währungen (Stand Januar 2026); Bundesbank, Währungsreform 1948; eigene Berechnung.
Der Weg der Goldmünze: was 7,17 Gramm Gold heute kaufen
Der Bruder mit dem Goldstück in der Schublade erlebt dieselben hundert Jahre, dieselbe Weltwirtschaftskrise, denselben Krieg und dieselbe Währungsreform. Ganz unbehelligt bleibt auch er nicht: 1938 wurden die Reichsgoldmünzen per Verordnung außer Kurs gesetzt, ihre Besitzer mussten sie zum Nennwert an die Reichsbank abliefern. Das Gedankenexperiment unterstellt, dass der Bruder die Münze trotzdem behält. Die Währungsreform von 1948 dagegen ging an ihr spurlos vorüber. Das Umstellungsgesetz regelte Bargeld und Bankguthaben. Ein physisches Goldstück war weder ein Konto noch eine Forderung gegen eine Bank, es wurde schlicht nicht umgestellt. Die 7,17 Gramm Feingold blieben 7,17 Gramm Feingold.
Beim Goldpreis vom 20. Oktober 2026 von 118,42 Euro je Gramm ergibt sich für das 20-Mark-Goldstück ein reiner Materialwert von rund 850 Euro. Händler und Sammler zahlen für gut erhaltene oder seltene Jahrgänge teils deutlich mehr. Für den Vergleich zählt aber nur das enthaltene Gold.
Das Ergebnis auf einen Blick
- 20 Reichsmark hatten 1924 eine Kaufkraft von rund 102 Euro (Preise 2025).
- Das Sparbuch steht heute nominal bei 0,66 Euro, ohne Zinsen gerechnet.
- Das 20-Mark-Goldstück hat heute einen Materialwert von rund 850 Euro.
- Die Goldmünze kauft damit grob das Achtfache dessen, was die 20 Reichsmark 1924 kauften.
Warum das Ergebnis eine Momentaufnahme ist
So eindeutig das Ergebnis ist, so wichtig sind die Einschränkungen. Wer ehrlich vergleicht, muss sie nennen:
- Der Goldpreis schwankt. Laut goldpreis.de liegt der Goldpreis in Euro aktuell rund zehn Prozent unter dem Stand von vor sechs Monaten und gut 19 Prozent unter dem Allzeithoch (Schlusskurs) von 4.553,24 Euro je Unze. Wer den Vergleich zu einem anderen Zeitpunkt zieht, erhält eine andere Zahl.
- Gold hatte lange Durststrecken. Bis 1971 war der Goldpreis im Bretton-Woods-System an den US-Dollar gebunden, und auch danach gab es Jahrzehnte, in denen Gold real an Wert verlor. Über kurze Zeiträume ist Gold kein verlässlicher Inflationsausgleich.
- Gold bringt keine Zinsen. Der Wert einer Münze hängt allein vom Preis ab, den andere morgen dafür zahlen.
- Auch Gold war nicht immer vor dem Staat sicher. In den USA mussten Bürger 1933 ihr Gold abliefern. Im Deutschen Reich wurden die Reichsgoldmünzen 1938 per Verordnung außer Kurs gesetzt, ihre Besitzer mussten sie zum Nennwert an die Reichsbank abliefern.
Trotz dieser Vorbehalte bleibt der Kern der Rechnung stabil: Selbst wenn sich der Goldpreis halbieren würde, stünde die Münze bei rund dem Vierfachen der Kaufkraft von 1924. Das Sparbuch dagegen hat einen Verlust erlitten, der sich durch keine noch so gute Zinsphase mehr aufholen ließe.
Wie sich der Goldpreis langfristig entwickelt hat, zeigt der folgende Chart:
Die Bilanz: Sparbuch oder Gold?
Stellt man beide Wege nebeneinander, wird der Unterschied zwischen einer Forderung und einem Sachwert sichtbar. Das Sparbuch ist ein Versprechen der Bank, einen bestimmten Betrag in der jeweils gültigen Währung zurückzuzahlen. Wird die Währung entwertet oder umgestellt, schrumpft das Versprechen mit. Die Goldmünze dagegen ist kein Versprechen, sondern das Vermögen selbst.
| Kriterium | Sparbuch | 20-Mark-Goldstück |
|---|---|---|
| Wert 1924 | 20 Reichsmark | 20 Reichsmark (7,17 g Feingold) |
| Kaufkraft 1924 in heutigen Euro | ca. 102 Euro | ca. 102 Euro |
| Betroffen von der Währungsreform 1948 | Ja, Umstellung 100:6,5 | Nein, Metall blieb Metall |
| Betroffen von der Euro-Umstellung 2002 | Ja, Kurs 1,95583 | Nein |
| Laufende Erträge | Zinsen (zeitweise nahe null) | Keine |
| Wert heute | 0,66 Euro (ohne Zinsen) | ca. 850 Euro (Materialwert) |
| Hauptrisiko | Inflation, Währungsschnitt | Preisschwankungen, staatliche Besitzverbote |
Stand Goldpreis: 20. Oktober 2026. Kaufkraftwerte: Deutsche Bundesbank, eigene Berechnung.
Die Lehre daraus ist nicht, dass Kontoguthaben nutzlos wären. Für den Alltag, für Rechnungen und für eine Notreserve braucht jeder Haushalt Geld auf dem Konto. Die Lehre lautet: Ein Sparbuch eignet sich nicht, um Kaufkraft über Generationen zu erhalten. Über einen Zeitraum von hundert Jahren zählt nicht der Zins, sondern die Frage, ob das Vermögen einen Währungsbruch übersteht.
Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung des Goldpreises und der Inflationsrate in Deutschland seit der Euro-Bargeldeinführung:
Weltspartag 2026: Sparzinsen unter der Inflationsrate
Wer glaubt, die Geschichte habe mit der Gegenwart nichts zu tun, sollte einen Blick auf die aktuellen Zahlen werfen. Laut Statistischem Bundesamt lag die Inflationsrate in Deutschland im September 2026 bei 3,3 Prozent, dem höchsten Wert seit Dezember 2023. Treiber waren vor allem die Energiepreise, die binnen Jahresfrist um 14,9 Prozent stiegen. Kraftstoffe verteuerten sich um 37,1 Prozent, leichtes Heizöl sogar um 74,9 Prozent.
Dem stehen bescheidene Sparzinsen gegenüber. Laut Bundesbank lag der durchschnittliche Effektivzins für Spareinlagen privater Haushalte mit dreimonatiger Kündigungsfrist, also dem klassischen Sparbuch, im August 2026 bei 0,73 Prozent. Auch beim Tagesgeld sieht es kaum besser aus: Das Vergleichsportal tagesgeldvergleich.net weist für Oktober 2026 einen Durchschnittszins von 2,30 Prozent über 82 Angebote aus. Einzelne Aktionsangebote liegen höher, sind aber meist befristet.
Was das konkret bedeutet
Ein Beispiel macht die Größenordnung deutlich. Liegen 10.000 Euro ein Jahr lang zu 0,73 Prozent auf dem Sparbuch, wächst das Guthaben auf 10.073 Euro. Steigen die Preise im selben Zeitraum um 3,3 Prozent, kauft dieses Guthaben nur noch so viel wie heute rund 9.750 Euro. Der Sparer verliert binnen eines Jahres also etwa 250 Euro an Kaufkraft, ohne dass auf dem Kontoauszug ein Verlust erscheint.
Mit dem folgenden Rechner können Sie selbst ausprobieren, wie viel Kaufkraft ein Betrag über mehrere Jahre einbüßt:
Calcule su pérdida de poder adquisitivo debido a la inflación
Die Kettner-Einordnung
Die amtliche Statistik führt den aktuellen Anstieg vor allem auf die Energiepreise zurück. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel lag laut Destatis im September bei 2,4 Prozent. Doch auch diese Zahl liegt weit über dem, was ein Sparbuch abwirft. Für Sparer ist es unerheblich, welcher Posten im Warenkorb die Preise treibt. Sie zahlen an der Tankstelle und beim Heizöl den vollen Preis.
Wir halten es für keinen Zufall, dass negative Realzinsen über so lange Zeit hingenommen werden. Der größte einzelne Schuldner im Land ist der Staat. Jedes Prozent Inflation oberhalb des Zinsniveaus verringert den realen Wert seiner Schulden, bezahlt wird das von den Sparern. Unsere Einschätzung: Die stille Entwertung von heute ist weniger dramatisch als der Schnitt von 1948, folgt aber derselben Logik. Die Lasten werden über die Guthaben derer verteilt, die dem Geld vertraut haben.
Aktuelle Meldungen rund um Inflation und Geldentwertung finden Sie hier:
Sparen in Gold: was sich aus 100 Jahren lernen lässt
Die Geschichte der beiden Geschwister ist kein Plädoyer dafür, das gesamte Vermögen in Gold zu tauschen. Sie zeigt aber, welche Rolle physische Edelmetalle neben dem Konto spielen können: als Baustein, der nicht an das Schicksal einer einzelnen Währung gebunden ist. Wer den Weltspartag 2026 zum Anlass nimmt, die eigene Vermögensaufteilung zu überprüfen, kann aus den vergangenen hundert Jahren einige Grundsätze ableiten.
Kleine Einheiten statt großer Summen
Der Gedanke des Weltspartags war immer, regelmäßig kleine Beträge zurückzulegen. Das funktioniert auch mit Gold. Goldbarren mit einem Gramm oder noch kleinere Einheiten wie 0,5 Gramm oder 1/100 Unze erlauben einen Einstieg mit überschaubaren Beträgen. Der Aufpreis gegenüber dem reinen Materialwert ist bei kleinen Stückelungen allerdings höher als bei größeren Goldbarren. Wer regelmäßig spart, sollte das bei der Wahl der Größe berücksichtigen.
Regelmäßigkeit statt Timing
Niemand weiß, ob der Goldpreis in einem Jahr höher oder niedriger steht. Wer monatlich einen festen Betrag in Gold anlegt, kauft bei hohen Preisen weniger und bei niedrigen Preisen mehr Gramm. Dieser Durchschnittskosteneffekt nimmt die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt aus der Entscheidung. Eine Auswahl dafür geeigneter Sparplan-Produkte zeigt die folgende Übersicht:
Worauf Sparer in Gold achten sollten
- Steuern: Anlagegold ist in Deutschland von der Mehrwertsteuer befreit. Gewinne aus dem Verkauf physischen Goldes sind nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr als privates Veräußerungsgeschäft steuerfrei.
- Lagerung: Wer Gold zu Hause aufbewahrt, sollte an einen geeigneten Tresor und die Hausratversicherung denken. Alternativ gibt es Lagerlösungen außerhalb des Bankensystems.
- Anteil: Gold ersetzt nicht die Notreserve auf dem Konto. Sinnvoll ist eine Aufteilung, bei der der Alltag liquide bleibt und ein Teil des Vermögens unabhängig von der Währung gesichert ist.
- Historische Münzen: Wer den Bezug zur Geschichte schätzt, findet bei den Reichsgoldmünzen des Deutschen Kaiserreichs genau jene Münzen, die schon den ersten Weltspartag erlebt haben. Ihr Preis enthält meist einen Sammleraufschlag über dem Goldwert.
Mehr zu den Faktoren, die den Goldpreis bewegen, lesen Sie in unserer Goldpreis-Prognose. Einen Überblick über alle Barren und Münzen finden Sie in der Kategorie Gold kaufen.
Fazit: Der Weltspartag braucht eine ehrliche Botschaft
Der Weltspartag wurde 1924 erfunden, um nach einer Inflationskatastrophe das Vertrauen in das Sparen zurückzugewinnen. Hundert Jahre später zeigt die Bilanz: Sparen war immer richtig, die Form des Sparens entschied über das Ergebnis. Aus 20 Reichsmark auf dem Sparbuch sind 66 Cent geworden. Aus einem 20-Mark-Goldstück wurden rund 850 Euro. Wer seinen Kindern am Weltspartag 2026 etwas über Geld beibringen möchte, sollte ihnen deshalb nicht nur zeigen, wie man spart, sondern auch, worin.
Häufige Fragen zum Weltspartag 2026
Wann ist der Weltspartag 2026?
In Deutschland findet der Weltspartag 2026 am Freitag, dem 30. Oktober, statt. International gilt der 31. Oktober. Weil dieser Tag als Reformationstag in mehreren Bundesländern ein Feiertag ist und 2026 zudem auf einen Samstag fällt, begehen deutsche Banken und Sparkassen den Weltspartag einen Werktag früher.
Wie ist der Weltspartag entstanden?
Der Weltspartag geht auf den ersten Internationalen Sparkassenkongress zurück, der vom 26. bis 31. Oktober 1924 in Mailand stattfand. Der Schlusstag, der 31. Oktober 1924, wurde zum Weltspartag erklärt. Er sollte den Spargedanken nach den Inflationserfahrungen der Nachkriegsjahre stärken, vor allem bei der Jugend.
Was ist ein 20-Mark-Goldstück heute wert?
Ein 20-Mark-Goldstück des Kaiserreichs enthält rund 7,17 Gramm Feingold. Beim Goldpreis vom 20. Oktober 2026 von 118,42 Euro je Gramm entspricht das einem Materialwert von rund 850 Euro. Je nach Prägestätte, Jahrgang und Erhaltung zahlen Händler und Sammler teils deutlich mehr.
Was wurde 1948 aus den Sparguthaben?
Mit der Währungsreform vom 20. Juni 1948 und dem Festkontengesetz vom Oktober 1948 wurden private Bankguthaben im Verhältnis 100 zu 6,5 umgestellt. Für 100 Reichsmark erhielten Sparer 6,50 D-Mark, der Rest wurde gestrichen. Laut Bundesbank fühlten sich viele Sparer damals enteignet. Physisches Gold war von der Umstellung nicht betroffen.
Lohnt sich ein Sparbuch 2026 noch?
Als Notreserve und für kurzfristig benötigtes Geld kann ein Konto sinnvoll sein. Zum Erhalt der Kaufkraft eignet es sich derzeit kaum: Laut Bundesbank lag der durchschnittliche Zins für Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist im August 2026 bei 0,73 Prozent, die Inflationsrate im September 2026 laut Destatis bei 3,3 Prozent. Real verliert das Guthaben damit an Wert.
Ist Gold ein garantierter Inflationsschutz?
Nein. Über sehr lange Zeiträume hat Gold seine Kaufkraft erhalten, wie der Vergleich seit 1924 zeigt. Über kürzere Zeiträume kann der Goldpreis jedoch deutlich schwanken und auch über Jahre unter der Inflationsrate bleiben. Gold bringt zudem keine Zinsen. Es eignet sich deshalb als langfristiger Baustein neben anderen Anlageformen, nicht als kurzfristige Absicherung.
Kann man auch mit kleinen Beträgen in Gold sparen?
Ja. Goldbarren mit einem Gramm, einem halben Gramm oder 1/100 Unze ermöglichen den Einstieg mit kleinen Beträgen. Viele Sparer legen regelmäßig einen festen Betrag an und profitieren so vom Durchschnittskosteneffekt. Zu beachten ist, dass der Aufpreis über dem Materialwert bei kleinen Stückelungen höher ist als bei größeren Barren.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Alle Kaufkraftberechnungen beruhen auf den Daten der Deutschen Bundesbank und sind nach deren eigenen Angaben mit Unsicherheiten behaftet.
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